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Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zug – ein historischer Abriss



Einleitung
Kunst im öffentlichen Raum bietet eine individuelle und nicht alltägliche Möglichkeit, Bekanntes mit neuen Augen zu sehen. Von Befürwortern als identitätsstiftend, bereichernd und lebensverschönernd gepriesen, werden Kunstwerke im öffentlichen Raum manchmal auch als unerwünschte Möblierung des begrenzten und deshalb begehrten Stadtraumes, mitunter sogar als Bevormundung durch ihre Eigentümer oder Schenker empfunden. Deshalb ist die kunsthistorische Auseinandersetzung mit der Kunst im öffentlichen Raum, ihrer Entstehung, Bedeutung und Weiterentwicklung zentral. Darüber hinaus ist es für die Zukunft wichtig, dass bei der Auswahl neuer Kunstwerke für den öffentlichen Raum bestimmte Qualitätskriterien erfüllt werden – sowohl bei Auftragsarbeiten der Stadt als auch wenn es um Schenkungen geht.
Die Geschichte der Kunst im öffentlichen Raum von Zug steht einerseits in direkter Wechselbeziehung mit der baulichen Entwicklung sowie den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Stadt, andererseits aber auch mit den Entwicklungen der westlichen Kunst. Zu Wandmalereien, Bauplastiken und freistehenden Skulpturen kommen heute vermehrt Installationen und temporäre Kunstaktionen hinzu: Es entstehen mitunter Werke, die von den Passanten nicht ohne Weiteres als Kunst wahrgenommen werden.

Bauliche Entwicklung
Seit dem späten Mittelalter beeinflusst die geografische Lage der Stadt Zug am See und an der Nord-Süd-Achse ihre wirtschaftliche Entwicklung. Seit 1850 wird der Handels- und Umschlagsplatz stark von der Industrialisierung geprägt. Das Stadtzentrum verschiebt sich von der mittelalterlichen Altstadt am See mehr zum 1864 erbauten Bahnhof. Das Bedürfnis nach einer stark geordneten Stadtstruktur wächst. Seepromenaden, Parkanlagen und Plätze dienen der Repräsentation und sollen ein grossstädtisches Lebensgefühl vermitteln. So wird zum Beispiel nach der Vorstadtkatastrophe 1887 der zerstörte Stadtteil am See durch eine grosszügige Seepromenade sowie einen Park ersetzt. In den Dreissigerjahren des 20. Jahrhunderts verstärkt sich die Trennung von Wohn- und Arbeitsraum. Es entstehen zunehmend Wohngebiete am Stadtrand. Diese Entwicklung hängt eng mit dem Aufkommen des Automobils zusammen. Die öffentlichen Räume müssen an diesen neuen, motorisierten Verkehr angepasst werden. Neu werden explizit Erholungszonen – zum Beispiel der Daheim- und der Rigipark – geschaffen. In den 1970er-Jahren setzt ein massiver Büro- und Wohnungsbau ein, der bis heute anhält. Gleichzeitig erleben Aussenräume eine Aufwertung und werden um- respektive neu gestaltet. Die kulturelle und wirtschaftliche Nutzung öffentlicher Räume wächst. Heute ist Zug ein hypermodernes Dienstleistungszentrum sowie ein wichtiger Finanzplatz. Diese beiden Aspekte beeinflussen das Stadtleben wesentlich. Die Stadt Zug als moderner Wirtschaftsort ist jedoch nach wie vor geprägt von einer traditionellen, tie fverwurzelten dörflichen Kultur.

Erste Kunstwerke
Erste Kunstwerke der Stadt Zug entstehen im Mittelalter. So wird zwischen 1540/42 der Stadtbrunnen am Kolinplatz errichtet. Die Säulenfigur soll nach volkstümlicher Überlieferung einen Zuger Bannerträger aus dem Geschlecht der Kolin darstellen. Brunnen und Denkmäler sowie Plastiken religiöser Natur sind für die kommenden Jahrhunderte die prägenden Formen der Kunst im öffentlichen Raum. Im 19. Jahrhundert kommen Bauschmuck – Dekorationsmalerei, Sgraffito, Stuckatur, Bauplastik oder Glasmalerei – sowie Brunnenkunst dazu. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts tauchen nach und nach nicht-religiöse, frei stehende Plastiken auf. Zunächst gibt es erst vereinzelt Auftragsarbeiten in den Aussenräumen von Kirchen und Schulen sowie Kunst am Bau-Werke wie das Wandbild Sport des Zuger Malers Hans Potthof an der Aussenwand der Turnhalle Schützenmatt (1948) oder Der gute Hirte des Schwyzer Bildhauers Josef Rickenbacher (1968) an der Fassade der Kirche Gut Hirt. Im Jahre 1967 erhält die Stadt Zug gleich sechs Skulpturen des Zuger Künstlers Johann Michael Bossard geschenkt: Kraft und Fruchtbarkeit sowie Bruder Klaus, Wilhelm Tell, Arnold Winkel-ried und Jeremias Gotthelf (alle 1907). Als Ersatz für die 1868 entfernte Löwenskulptur – die seither auf der obersten Zinne des Zollhauses steht – schafft Andreas Kögler einen Knaben mit Hecht (1956) für den Hechtbrunnen am Fischmarkt.

Die 1970er-Jahre: erste ortsspezifische Skulpturen und Kunst am Bau-Projekte
Seit den 1970er-Jahren gibt es ein wachsendes Interesse an Kunst im öffentlichen Raum. Es entste-hen die ersten grossen ortsspezifischen Skulpturen und Kunst am Bau-Projekte. Am Neubau der Schulanlage Loreto schmücken Elso Schiavos Malereien sowie Installationen des Baarer Künstlers Eugen Hotz mehrere Wände (beide 1970; ohne Titel). Eine der bekanntesten Skulpturen aus diesem Jahrzehnt ist die knapp drei Meter hohe Bronzeplastik Knife Edge (1961) des britischen Künstlers Henry Moore. Moores Plastik steht ab 1977 zunächst auf dem Landis & Gyr-Areal. 1981 gelangt sie an ihren jetzigen Standort beim Casino – als Geschenk zu dessen Eröffnung. In den Siebzigerjahren engagiert sich die Zuger Kunstgesellschaft für die Platzierung von Skulpturen des österreichischen Künstlers Fritz Wotruba, der während des Zweiten Weltkriegs in Zug im Exil weilte. Vier grosse Skulpturen (1974/75) sind im Aussenraum des Kunsthauses platziert. Ebenfalls aus diesem Jahrzehnt ist ein Objekt des Luzerner Bildhauers Rolf Brem: die Greth-Schell-Figur (1977) auf dem nach der Zuger Fasnachtsfigur benannten Brunnen sowie die Stahlskulptur Grosser Rugel (1972) des Zuger Bildhauers Josef Staub.

Die 1980er-Jahre: einzelne Auftragsarbeiten sowie Ankäufe und Schenkungen
In den Achtzigerjahren werden einige ortsspezifische Werke angekauft, darunter die monumentale, vier Meter hohe Skulptur Syrinx (1985) des Solothurner Eisenplastikers Oskar Wiggli und die Frauenskulpturen Dreiweib (1986) und Grosses Weib (1988) des Luzerner Künstlers Rudolf Blättler. An der St. Oswaldsgasse hat die Nidwaldnerin Johanna Näf mit ihrem LOTOS-Teich (1989) einen Platz zum Verweilen geschaffen. Einen weiteren Brunnen hat Josef Staub mit seiner Chromstahlplastik Spirale V (1985) beim Herti-Dorfplatz gestaltet. Der Emmentaler Plastiker Peter Meister schafft die fünf Skulpturen Girribizzi (1986), die verteilt im Berglipark stehen. Eine weitere Skulptur, Josef Rickenbachers Nicole (1988), steht auf dem Bundesplatz, direkt vor dem Hotel Gotthard. Eine Wandmalerei Hans Potthofs ziert die Arkade des Zollhauses (1986; ohne Titel). Zehn Jahre nach der Entstehung werden bei Sanierungsarbeiten Teile der Bilder zerstört, jedoch von Potthofs Künstlerkollegen, dem Zuger Sepp von Rotz, wieder Instand gestellt.

Die 1990er-Jahre: öffentliches und privates Engagement
Seit den 1990er-Jahren schliesslich wird die Kunst im öffentlichen Raum gezielt gefördert. So entstehen anlässlich der Neugestaltung des Rigiplatzes gleich vier Objekte. Die Skulptur L’ombra sul passato (1991) des Tessiner Künstlers Flavio Paolucci, die Bronzeplastik Hören Ost Süd West Nord (1995) des Luzerner Plastikers Anton Egloff, die Bodenplastik Mémoire d’une strate 1887-1996 (1995) aus Schiefer der Genferin Carmen Perrin sowie Andrea Wolfensbergers in den Abschlussquai gemeisselte Botschaft In Gedanken Versunken (1995) erinnern an die Vorstadtkatastrophe von 1887. Ebenfalls durch die öffentliche Hand realisiert werden die Stahlplastiken turris (1992) des Italieners Giuseppe Spagnulo und Caribu (1994) des Aargauer Bildhauers Paul Suter, das viel fotografierte Schwanenpaar (1960; ohne Titel) von Romano Galizia am Vorstadtquai, die Installation Windwunder (1997) des Glarners Yvan Pestalozzi, die von Maria Bettina Cogliatti konzipierte und zusammen mit dem Flachmaler Klaus Wettstein geschaffene Wandmalerei Trompe-l’œil (1998) an der Wand des Vorstadtquais sowie die Platzgestaltung vor der Kantonsverwaltung durch Christoph Haerle mit dem Titel willKür (1998/99).

Das Kunsthaus Zug nimmt bei der Förderung der Kunst im öffentlichen Raum ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Hervorzuheben ist Tadashi Kawamatas Work in Progress in Zug, ein „Holzweg“ durch die Stadt (1996-99) mit Stegen, Treppen, Sitzbänken und Hütten. Auch die Textinstallation ist wird (1996) an der Aussenmauer des Kunsthauses, eine Arbeit des Innsbrucker Künstlers Heinz Gappmayr, ist Teil dieses Engagements; ebenso die Skulptur Replace the Abstract Picture Plane II (1997) des amerikanischen Künstlers Richard Tuttle. Aber auch Firmen oder private Gönner geben immer wieder Werke im öffentlichen Raum in Auftrag. Die Luftleiter (1992) des Baarer Künstlers Quido Sen steigt an der Fassade eines Wohn- und Geschäftshauses empor. Ebenfalls vor Firmengebäuden aufgestellt sind Matt Mullicans Signpost for ideas (1996) beim Hauptsitz der UBS, Balthasar Burkhards Glasbild Welle (1996) beim Verwaltungsgebäude der Wasserwerke Zug oder Giraffalla (1999), eine Brunneninstallation Claire Ochsners vor der Zuger Kantonalbank. Josef Maria Odermatts Eisenplastik Vier Elemente (1995) an der Poststrasse und Kurt Laurenz Metzlers Luftmensch (1995), eine rot gespritzte Aluminiumskulptur, ergänzen als privat finanzierte Objekte die Liste der öffentlich zugänglichen Kunstwerke der Neunzigerjahre.

Seit dem Jahr 2000: künstlerische Vielfalt, Kollaborationen und temporäre Kunstprojekte
Im neuen Jahrtausend werden die Kunstobjekte im öffentlichen Raum vielfältiger. Es gibt vermehrt Kunst am Bau-Projekte. Wie bereits in den Siebzigerjahren entstehen solche Kunstwerke zum Beispiel an Schulanlagen: Andi Riesers Parcours inoutil (2000) in der Gewerblich-industriellen Berufsschule, Peter Koglers Wandgestaltung im Kaufmännischen Bildungszentrum (2001; ohne Titel) oder Franziska Zumbachs Fassadengestaltung (2006) am Schulhaus Guthirt. Weitere Kunst am Bau-Objekte sind die Malerei (2011) des Zuger Künstlers Luca Degunda an der Südfassade des Kulturzentrums Galvanik oder eine vergrösserte schwarz-weiss Aufnahme Werner Pfändlers aus dem Jahre 1967. Alfred Hitchcock in St. Moritz (2000), so der Titel des Fotos, ist in einer Wandnische im Hinterhof des Kinos Seehof zu sehen. Auch eher unkonventionelle Kunst am Bau-Projekte beleben die Stadt Zug. Die Wandmalereien an der Kantonalen Strafanstalt (2002) des russischen Künstlers Pavel Pepperstein sind ein Beispiel dafür. Die Arbeit des Stuttgarter Künstlers Platino ist ebenfalls aussergewöhnlich: Im Rahmen der Ausstellung LINEA bemalte er die historische Aussenmauer des Kunsthauses. Dieses Werk Ouverture (2010) ist eine kreative Auseinandersetzung der Gegenwart mit der Geschichte. Ein Höhepunkt des Kunst am Bau-Engagements des Zuger Kunsthauses ist die Lichtinstallation Light Transport des amerikanischen Künstlers James Turrell im Bahnhof Zug (2003) anlässlich des Neubaus. Zum selben Anlass entsteht ein weiteres Kunstwerk: Das russisch-amerikanische Künstler-Ehepaar Ilya und Emilia Kabakov entwirft den Drinking-Fountain (2003) auf dem Bahnhofplatz. Auch auf dem Siemens-Areal wird eine Brunneninstallation in Auftrag gegeben und zwar Findlinge (2002) der Luzernerin Barbara Jäggi. Die in Frankreich lebende Bündnerin Elisabeth Arpagaus gestaltet einen Brunnen mit Glasbausteinen (2003) bei der Kantonsschule. Beim Primarschulhaus Riedmatt erfreuen vier Aluminiumskulpturen der Zuger Künstlerin Nina Stähli mit dem Titel Zauber ei (2001) die Schulkinder. Diese Skulpturen sind begeh-und erlebbar. Zudem integrierte Stähli Ideen und Fantasien der Schulkinder, indem sie deren Zeichnungen als Einritzungen in ihren Aluminium-Eiern wiedergibt.
Auch Kollaborationen mit Laien finden statt: Die 14 Bewohnerinnen und Bewohner der Therapeutischen Wohngemeinschaft Sennhütte auf dem Blasenberg haben zusammen mit dem Künstler Severin Märki die fünf Holzskulpturen Göggel (2000) geschaffen. Der Zuger Künstler Samuel Haettenschweiler arbeitete für das Projekt "Poetry Gallery" mit jungen immigrierten Ausländern zusammen. Es entstehen lyrische Texte wie Guten Honig streicht man nicht ums Maul (2006) an weiss gestrichenen Bahnviadukt-Bögen und wecken so das Interesse der Bevölkerung.
Aussergewöhnlich ist die 22-teilige Skulpturengruppe der in Italien aufgewachsenen Künstlerin Esther Stocker. Sie zeigt in ihrem Werk 22 elements (2009) an der Baarerstrasse, dass Ordnung und Systematik nicht zuletzt von Abweichungen und Irritationen definiert werden. Die Holzkugel (2011; ohne Titel) von Eugen Jans im See vor dem Strandbad Seeliken entsteht im Rahmen des städtischen Austauschprojektes Genova-Zugo, ein Kunstwerk, das im Sommer für Badende auch als Spielgerät fungiert. Anlässlich des Kunstparcours' LOST IN TUGIUM im Herbst 2012 sind ebenfalls Installationen entstanden, die von der öffentlichen Hand angekauft werden und noch heute im öffentlichen Raum zu sehen sind: Markus Uhrs Diamantherz am Schulhaus Burgbach,
das vom Künstlerkollektiv CKÖ errichtete, Billboard ähnliche Objekt mit leuchtenden Buchstaben dort und hier auf dem Dach des Postgebäudes sowie Luca Degundas Nase. Letztere hat inzwischen ihren Standort gewechselt und hängt nicht mehr am Pulverturm, sondern am Haus Zentrum, einem Stadtverwaltungsgebäude am Hirschenplatz. Nebst all diesen neuen Formen der Kunst gibt es im öffentlichen Raum auch im neuen Jahrtausend Traditionelles: die Schenkung eines indischen Industriellen an die Stadt mit dem Titel New Feelings (2006) des indischen Künstlers Niranjan Pradhan, eine Frauenskulptur in der westlichen Ecke des Daheimparks. Auch Jean Mauboulès' Plastik 2006/1 (2006) geht auf ein privates Engagement zurück. Einen besonderen Platz im öffentlichen Raum Zugs nimmt Caroline Fluelers Werk Einschnitt (2004) ein. Die Zuger Textildesignerin hat zusammen mit André Schweiger und Patrick Lindon ein schlichtes Denkmal aus diversen Naturmaterialien zur Erinnerung an die Opfer des Attentats im Regierungsratssaal am 27. September 2001 geschaffen.
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