Galizia, Romano: ohne Titel (1960)

Wie seine drei Geschwister ist auch Romano Galizia (1922-2005) künstlerisch begabt. So absolviert der Aargauer bei seinem Vater eine Bildhauerlehre. Während des Zweiten Weltkriegs, als der Vater Aktivdienst leistet, übernimmt Romano als junger Bursche die Verantwortung im elterlichen Geschäft. Nach der Heirat mit Christine Rüegg (1946) und mehreren Europatouren mit dem Fahrrad legt Romano Galizia 1958 die Meisterprüfung ab. Prägende Erfahrungen macht er während den Kreuzgang-Renovationen in den Klöstern Wettingen und Muri. Das gotische Ideal schöner Proportionen ist fortan in prägend für Galizias Werke. Während langer Zeit bildet die Anfertigung von Grabsteinen die materielle Basis für seine Familie. Erst 1960, als Galizia ein Bundesstipendium erhält, ergibt sich erstmals die Möglichkeit, als freier Künstler zu arbeiten. Romano Galizia ist bis ins hohe Alter künstlerisch tätig, unter anderem als Restaurator auf Schloss Lenzburg. Zuletzt beginnt er vermehrt grossformatige Bilder zu malen.

Die beiden Schwäne an der Zuger Seepromenade haben die Flügel erhoben, die Hälse gereckt, die Schnäbel scheinen bereit, los zu schnattern. Es scheint fast so, als wollen die beiden jede Sekunde aus ihrer Erstarrung erwachen. Der Aargauer Künstler hat sich ganz auf die Umgebung des Werkes eingelassen: Die zwei Schwäne stehen an der Seepromenade, am Eingang zur sogenannten Katastrophenbucht, als wären sie immer schon da gewesen. Die anmutigen, aus Bronze gegossenen Tiere sind ins Treiben an der Seepromenade eingebunden: Hier ziehen lebendige Artgenossen an ihnen vorbei, Enten und Tauben lassen sich auf und neben ihnen nieder, Besucher finden einen Moment der Stille und lassen den Blick über den See schweifen. Was die zwei Schwäne schon alles gesehen haben mögen? Und welche Gesprächsfetzen der vorbeigehenden Spaziergänger haben sie aufgeschnappt? Die Seepromenade, ein Ort der Begegnung und des Austausches ebenso wie der Ruhe und des Loslassens, bekommt durch diese Arbeit eine erzählende Komponente. Der intensive und nur für einen wunderbar kurzen Moment angehaltene Reigen der zwei Schwäne begrüsst und verabschiedet die Betrachter im Wissen, dass sie vielleicht wieder kommen werden.

Bronze, Ecke Rigiplatz-Vorstadtquai

Romano Galizia: Schwäne


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Gedruckt am 10.12.2018 22:57:49