Heini, Roland: Objekt (1991)

Das 1991 entstandene Objekt vor dem Kantonalen Verwaltungsgebäude an der Aabachstrasse von Roland Heini ist das Siegerprojekt eines kantonalen, anfangs der 1990-Jahre ausgeschriebenen Kunst-am-Bau-Wettbewerbs. Es besteht einerseits aus einer rund sieben Meter hohen Plastik aus rot einbrennlackiertem Stahlblech und einem der Hausfassade nachempfundenen Mauerstück, welches der Plastik als Postament dient. Roland Heini reagierte mit Form und Farbe auf die städtebauliche und architektonische Umgebung und suchte nach einem starken Zeichen, welches dem Ort eine Identität verleihen sollte.

Dabei konzentriert sich der Bildhauer voll und ganz auf Skulptur-immanente, klassische Fragen zu Statik, Stabilität und Dynamik und schafft dennoch ein Bild, das eine ironische Dimension an den Tag legt. Der Turm aus sieben kreisförmigen Zylindern nimmt die strenge Gliederung und den seriellen Charakter seiner Kulisse auf und rückt sie geringfügig aus der eigenen Achse: in gleichem Mass, wie die Säulenelemente im Innern der Plastik an Durchmesser gegen oben abnehmen, neigt sich die Plastik zur Seite, als scheine sie sich ausruhen, oder die ganze Szenerie überdenken zu müssen. Damit stellt Roland Heini die Rationalität und Industrie, welche dem Menschen Disziplin und Ordnung abverlangen, in einen Dialog mit entgegenlaufenden Bedürfnissen nach Ruhe und Kontemplation. Die Grösse und Entschiedenheit in Form und Fertigung bei gleichzeitiger Verrückung und Alternative schafft es, dem Ernst und der kühlen Ratio des Verwaltungsgebäudes mit einem Augenzwinkern zu begegnen.

Vorgefundene Strukturen in Architektur, gestalteten Landschaften, in Elementen technischer Erzeugnisse oder Modellen menschlichen Denkens dienen dem Bildhauer Roland Heini als Ausgangspunkte für seine Formfindung. Durch Auswahl, Begrenzung, Ordnung und Vervielfachung entsteht schliesslich das Werk. Während diesem Prozess kann sich das ursprüngliche Thema verändern oder verwischen, mitunter sogar verlieren. Für seine Objekte verwendet der Bildhauer industrielle Materialien, die er der Situation entsprechend variabel einsetzen kann. Das Endprodukt, das Kunstwerk an sich, soll weder abstrakt noch konkret sein. Vielmehr trägt es den Reiz einer geahnten Möglichkeit. Nach Heini entscheidet nämlich die Spannung zwischen Leere, leiser Möglichkeit und Klarheit über die Qualität der jeweiligen Arbeit.

Nach seiner Lehre als Chemielaborant besucht Roland Heini bis 1983 die Schule für Gestaltung in Luzern in der Abteilung für dreidimensionales Gestalten. Anschliessend bildet er sich zwischen 1984 und 1988 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien weiter. Seither arbeitet er als freischaffender Bildhauer und Gestalter. Roland Heini lebt und arbeitet in Luzern.

Stahl und Beton, Zuger Kantonsverwaltung, Aabachstrasse 5, Eigentümer Kanton Zug

Roland Heini: Objekt


zur Übersicht
Gedruckt am 10.12.2018 23:07:10