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Brauchtum in der Stadt Zug



Termin Brauchtum Ort Entstehungsdatum
Agathatag, 5. Februar Agathabrot Kirchen St. Oswald und Guthirt, Loreto-Kapelle Alter Brauch
ganzjährig Bade- und Schwimmkultur Zugersee 1882
Mittwoch vor St. Agatha (5. Februar) Bäckermöhli Kolinplatz/Fischmarkt Zug 1688
Schmutziger Donnerstag Chesslete Zuger Innenstadt 1978
Frühling Chnüüsockäbödäli Oberwil/Zug Alter Brauch
Mitte bis Ende Juni (je nach Kirschenreife), Montag um 12.00 Uhr, am Starttag der Zuger Chriesisaison Chriesigloggä / Chriesisturm Kirche St. Michael / Zuger Altstadt 1711
Mitte/Ende Juni bis Juli, Montag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, während 2 bis 3 Wochen, Starttag wird durch die «Chriesigloggä» angekündigt Chriesimärt Landsgemeindeplatz Zug 1627
Alt Fasnachtssonntag (Sonntag nach Aschermittwoch) Chrööpfelimee Zuger Innenstadt 16. Jahrhundert
Erste Dezemberwoche Frauenthaler Lebkuchen Zuger Stadthaus 16. Jahrhundert
8. Mai, 20.00 Uhr bis 20.15 Uhr Friedensglocke Kapuzinerturm Zug 1945
Fronleichnam (10 Tage nach Pfingsten) Fronleichnam Zuger Innenstadt 1264
Mehrmals jährlich GAUR (Grosser, Allmächtiger und Unüberwindlicher Rat von Zug) Stadt Zug 15. Jahrhundert
Güdelmontag (Fasnachtsmontag) Greth Schell Zuger Altstadt 1721
Herbst- und Wintermonate Jagd Kanton Zug Eiszeit
29. September Michaelstag Stadtgemeinde Zug 29. September 1902
Zweiter Adventssonntag Märlisunntig Zuger Altstadt 1984
In der Woche vor Palmsonntag Palmbinden Kirchen in der Stadt Zug Alter Brauch
November Räbeliechtliumzug Hertiquartier / Guthirtquartier Zug Anfang der 1980er-Jahre
6. Dezember Samichlaus Zug / Tellenörtli Oberwil 1960er-Jahre
1. August Schweizer Nationalfeiertag Landsgemeindeplatz Zug 1. August 1889
Ende Juni bzw. Anfang Juli Seefest Seebucht Zug 1969
Wenn es Schnee hat Skiabfahrt Zugerberg Zugerberg 1909
zwischen dem 4. Advent und dem Dreikönigstag (6. Januar) Sternsingen Pfarreien St. Michael / St. Johannes / Gut Hirt 16. Jahrhundert
Erster Mittwoch/Donnerstag im September Stierenmarkt Herti Zug 1897
Auffahrt (40 Tage nach Ostersonntag) Wallfahrt Einsiedeln Wegstrecke von Zug nach Einsiedeln 15. Jahrhundert
Mitte November bis Mitte Dezember Zuger Rötel Zugersee Steinzeit


Brauchen wir Bräuche?


Was haben Chrööpfelimee, Chriesimärt und Chesslete, Märlisunntig und Michaelstag, Frauenthaler Lebkuchen und Zuger Rötel gemein? Die Begriffe stehen alle für Tradition, für Stadtzuger Tradition, die seit Jahren gepflegt wird. Alteingesessenene geraten ins Schwärmen, sobald diese Stichworte fallen, Neuzuzüger mögen die Stirn runzeln. Chnüüsockäbödäli? Was heisst das überhaupt? Woher kommt dieser Begriff, und welchen Inhalt vermittelt er als Brauch? Obige Liste enthält eine Bestandesaufnahme von der Vielfalt des Stadtzuger Brauchtums, wie es heute gelebt wird.

Dabei stellen sich schon mal Fragen: Was ist überhaupt ein Brauch? Wie alt muss ein Brauch sein? Wann ist ein Brauch ein Brauch, und wann nur ein jährlich stattfindender Event? Wo fliesst die Grenze zwischen Folklore und Kommerz? Der Fremdenverkehr und die Kulturindustrie haben die ökonomische Verwertbarkeit von Bräuchen erkannt und viele bestehende Bräuche nach folkloristischen und kommerziellen Kriterien umgeformt und populär gemacht.

Im Duden wird der Brauch mit einer «innerhalb einer Gemeinschaft festgewordenen und in bestimmten Formen ausgebildeten Gewohnheit» ziemlich breit definiert. Umsobesser! Schliesst er doch die katholische Wallfahrt nach Einsiedeln genauso ein wie den bäuerlichen Stierenmarkt, das historisch begründete Läuten der Friedensglocke am Kapuzinerturm genauso wie das alljährliche Läuten der Chriesigloggä als Startsignal zur Chriesiernte.

Bräuche, dies zeigte die Recherche deutlich, stiften Identität, grenzen aber auch aus. Am Räbeliechtliumzug sind alle Kinder willkommen, doch nicht jeder wird im auf das 15. Jahrhundert zurückgehenden GAUR (Grosser, Allmächtiger und Unüberwindlicher Rat) zum Ritter geschlagen. Für beide Bräuche jedoch gilt: Wären nicht engagierte Menschen um dessen Fortführung besorgt, gäbe es sie nicht.

«Unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren», lautete die Parole der 68er Bewegung. Die Aufmüpfigen von damals verachteten Traditionen und Bräuche als Müll der Vergangenheit und werteten sie als Inbegriff einer in Konventionen erstarrten Gesellschaft. Doch seit einiger Zeit lässt sich europaweit der Trend zu einer Rückbesinnung auf Brauchtum feststellen, was eine Sehnsucht nach kollektiven Ritualen und Heimat stiftenden Traditionen im Zuge der Globalisierung offenbart und die Frage «Brauchen wir Bräuche?» eindeutig beantworten lässt: Ja!

Impressum
Idee/Konzept: DNS-Transport (Ausstellungen/Publikationen/Kunst) Zug © 2018
Recherchen, Texte, Bilder: Sabine Windlin, Ueli Kleeb

Links
www.dns-transport.ch
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