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1728 

Der Harten- und Lindenhandel in Zug

Die beiden Zuger Harten- und Lindenhändel, die von 1728 bis 1736 und mit einem knapp 30-jährigen Unterbruch für die Dauer von vier Jahren bis 1768 andauerten, waren im engeren Sinn politische Konflikte um die französischen Geldzahlungen, den sogenannten Pensionen und den Salzhandel, in die vor allem einflussreiche zugerische Familien, Parteien und Frankreich involviert waren. Bei diesem grossflächigen Streit ging es um private Angelegenheiten, um Staatsinteressen und eigene familiäre Obliegenheiten. Nicht zuletzt trugen die Differenzen zu Sinn und Zweck eidgenössischer Söldner in französischen Diensten zum Konflikt bei.

1728 erlang in Zug der wiederaufkeimende Unmut und die Frustration über die parteiische, unsoziale und egalitäre Verteilung der Pensionsgelder durch die regierende stadtzugerische Familie Zurlauben Wirkung, als das Amt eine Verteilung der Gelder unter alle Bürger forderte. Auch der den Zurlauben überlassene Handel mit französischem Salz sollte allen Zuger Bürgern als wirtschaftliche Einnahmequelle offen stehen. Die Zurlauben wurden durch diese plötzlichen Wogen sichtlich überrascht, da sie untereinander Familienfehden austrugen. Sie waren durch innere, private Konflikte um Fidel Zurlauben, den Anführer der Partei der eng mit Frankreich kooperierenden Linden, geschwächt. Demgegenüber erhielt die Opposition der Harten mit dem Stadtzuger Ratsherren und Salzhändler Josef Anton Schumacher einen volksnahen, überaus taktisch gewieften und mit allen Wassern gewaschenen Anführer. 1729 wurde der geflohene ehemalige Linden Parteipräsident Fidel Zurlauben wegen angeblich widerrechtlicher Aneignung des Salzhandels von einem Gericht verurteilt und aus Zug verbannt. Die Zurlauben mussten anschliessend ihre Gewinne aus dem Salzgeschäft zurückbezahlen. Somit entglitt der ehemals einflussreichsten Zuger Familie die Macht und ihre Vormachtsstellung war endgültig zerstört. 1731 erfolgte die Wahl Schumachers zum Ammann der Stadt Zug. Die Harten unterdrückten unter der Federführung des brutal agierenden Schumacher jegliche oppositionellen Schergen im Keim, verfolgten die Exponenten der Linden und liessen Oppositionelle hinter Gitter bringen. Darunter auch zwei ehemalige Zuger Gesandte für Frankreich. Sie wurden beschuldigt, Zugerische Interessen leichtsinnig auf das Spiel gesetzt und Interessen verraten zu haben (Trücklibund).

1733 kündigte Zug den Bund mit Frankreich auf. Der Ausfall der Geldzahlungen, die wiedererstarkte Opposition der Linden - unterstützt durch französische Generäle und ranghohe Politiker -, die festgefahrene Isolation Zugs, der geringe Erfolg der Annäherung an den deutschen Kaiser und das Gewalt- und Unterdrückungsregime der Harten schwächten die Position Schumachers zusehends. Anfang 1735 wurde er von allen Ämtern enthoben und wegen seiner Verbrechen verbannt. Die anderen führenden Mitglieder der Harten wurden milder bestraft. Gleichzeitig wurden die verurteilten Linden rehabilitiert und die Bevölkerung entschädigt. 1736 kehrte Zug schliesslich wieder ins Bündnis mit Frankreich zurück. Die Gelder wurden nun auf allen Bürgern gleichmässig verteilt, nicht aber die sogenannten Verehrgelder, die anstelle des französischen Salzes als Zahlungs- und Devisenmittel getätigt wurden. Deren ungleiche Verteilung verschaffte dem neuen Führer der Linden, Ammann Johann Kaspar Luthiger, eine dominante Stellung über allen aderen Parteimitglieder, die er durch Wahlfälschungen und Wahlmanipulationen festigte.

1763 änderte der französische Kriegsminister eine Reihe von Bestimmungen im Solddienstreglement, dem die Schweizer Söldner seit jeher unterstanden. Die umstrittenen neuen Bestimmungen wie einheitliche Uniformen, eine moderne Gradstruktur und eine Verkleinerung der Truppenkontingente sorgten in der Schweiz für rote Köpfe. Die Massnahmen stilisierten die Angst vor neuen Ungerechtigkeiten. 1764 kamen unter der Führung Franz Fidel Landtwings und Karl Kaspar Kolins erneut die Harten an die Macht. Sie vermieden dieses Mal den Bruch mit Frankreich, stellten aber die flüchtigen Altammänner der Partei der Linden vor ein Sondertribunal. Luthiger und Andermatt sowie weitere Parteimitglieder der Linden wurden vor 120 Ratsherren - vornehmlich aus Bürgern und Landleuten bestehend - wegen Aneignung der Salzgelder und politischer Machenschaften verurteilt. Gleichzeitig beruhigte sich die Lage 1765 dank eines neuen "Gesatz und Ordnung" Paragraphen im Gesetzestext, wonach politische Manipulationen und Stimmenkauf verboten seien. Trotz dieses umfassenden Gesetzes konnte die Salz- und Pensionenfrage erst 1768 gelöst werden. Eine Amnestie ermöglichte im Nachhinein Luthers Rückkehr und veranlasste Frankreich, die Gelder dem ganzen Stand zukommen zu lassen. Die Befriedigung war dauerhaft, da nun alle Pensionsgelder gleichmässig aufgeteilt wurden und Frankreich auf eine umfassende Einflussnahme verzichtete.
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