Zug kann Vorreiterin für globalisierte Städte sein

Die Stadt Zug zeichnet sich durch eine ausgeprägte Macherqualität aus. Dies schreiben die Autoren der Zürcher Denkfabrik W.I.R.E. in der Stadtidee von Zug, die sie im Auftrag des Stadtrats entworfen haben.

«Zug ist klein, erfolgreich und extrem globalisiert. Das gibt es sonst nirgends», sagt Stadtpräsident Dolfi Müller. «Doch es ist ungewiss, ob es im gleichen Stil weitergeht. Um zu lernen, wie wir unsere Kleinstadt auch in zwanzig Jahren erfolgreich positionieren können, haben wir uns in den letzten Monaten intensiv mit der Zukunft Zugs auseinandergesetzt.»
Der Stadtrat hat den Zürcher Thinktank W.I.R.E beauftragt, eine Stadtidee für Zug zu entwickeln. «Der Zeitpunkt dafür ist gut», sagt Stephan Sigrist, Leiter von W.I.R.E. «Denn die Kehrseiten des Erfolg werden immer deutlicher: knapper Boden, hohe Fixkosten, Identitätsverlust und ein Image als Steueroase.» Um die Stadtidee zu entwickeln, haben Stephan Sigrist und sein Team zuerst die Charaktermerkmale der Stadt erforscht. «Unser Ziel war es nicht, aus Zug eine völlig andere Stadt zu machen. Sondern aufzuzeigen, in welche Richtung sich die Stadt entwickeln kann. Deshalb mussten wir wissen: Welche Geschichte hat die Stadt? Was bewegt die Leute, die Behörden, die Firmen?»

Ausgeprägtes Machertum
Das Resultat dieser Forschung fasst Nicholas Bornstein, Projektleiter von W.I.R.E., wie folgt zusammen: «Die Stadt Zug, als Kleinstadt zwischen Luzern und Zürich, war seit jeher pragmatisch eingestellt und von einer offenen Grundhaltung geprägt. Politik und Bevölkerung waren es gewohnt, situativ auf neue Situationen zu reagieren.» Als typisch zugerisch beschreiben die Autoren der Studie ausserdem ein ausgeprägtes Machertum, einen Vorreitergeist mit Mut zum Ausprobieren und Weiterdenken. Stephan Sigrist: «Wir haben festgestellt, dass Entscheide schnell umgesetzt werden. Zum Beispiel die Steuergesetzgebung. Die Einführung von Kinderkrippen. Das Zusammenleben verschiedener Generationen, zum Beispiel in der Frauensteinmatt.»
In einem zweiten Schritt hat die Denkfabrik W.I.R.E gemeinsam mit verschiedenen Akteuren nach Visionen und Wünschen für die Stadt Zug der Zukunft gesucht. Die Bevölkerung von Zug, Einheimische und Expats, sowie Wirtschaftsführer, Kunstschaffende und Politiker sind zu Veranstaltungen eingeladen und aufgefordert worden, an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten. Die daraus entwickelte Stadtidee besteht aus fünf Kernwerten, die auf den Stärken und der Geschichte Zugs beruhen. Ziel ist es, der Stadt Zug ein Instrument zu geben, das sie in ihrer Entwicklung in den nächsten Jahren unterstützt. Die Kernwerte erlauben der Stadt, sich für künftige Generationen zu positionieren:
Gerade im letzten Punkt sieht Stephan Sigrist eine grosse Chance für Zug: «Durch die Kleinheit ist Zug prädestiniert, Lösungen und Innovationen anzuregen, die weltweit auch andere Städte nutzen können. Denn die Herausforderungen, mit denen Zug konfrontiert ist, sind nicht einmalig, sondern existieren weltweit in vielen, weitaus grösseren Metropolen.»

Kein Papiertiger
Die verabschiedete Stadtidee soll der Bevölkerung, der Politik, aber auch der Wirtschaft als Entscheidungshilfe dienen. Die Denkfabrik W.I.R.E. macht in ihrer Studie auch ganz konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Stadtidee; beispielsweise die flächendeckende Einführung von E-Government, die Durchführung eines «Global City Forums» oder erleichterte Bewilligungsverfahren für Start-Up-Unternehmen. «Der Stadtrat wird in einem nächsten Schritt die Stadtidee kritisch prüfen und auch den Grossen Gemeinderat einbeziehen. Die Stadtidee soll kein Papiertiger werden, sondern helfen, die Stadt aktiv in eine erfolgreiche Zukunft zu führen», sagt Stadtentwicklerin Regula Kaiser, welche das Projekt Stadtidee eng begleitet hat.
Ein Wappen für die Zukunft: Die fünf Kernwerte der Zuger Stadtidee.
Ein Wappen für die Zukunft: Die fünf Kernwerte der Zuger Stadtidee.

Datum der Neuigkeit 6. Mai 2015
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