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Haettenschweiler, Samuel: Guten Honig streicht man nicht ums Maul (2006)

Als Künstler beschäftigt sich der Zuger Samuel Haettenschweiler mit der Architektur als Wahrnehmungskonstrukt. Auf seiner Spurensuche beobachtet Haettenschweiler gesellschaftliche und architektonische Bewegungen und interpretiert diese gegebenenfalls neu. Dabei stellt er die Nutzung sowie die Aneignung von öffentlichen respektive halböffentlichen Räumen in Frage. Seine Arbeiten stehen im Zwischenbereich von Architektur und Skulptur (Archiskulptur) sowie Architektur und Graffiti (Archiffiti). Im Jahr 2006 verbindet Samuel Haettenschweiler in Zug bestehende Architektur mit Graffiti:

Am 1894 errichteten und heute noch genutzten Bahnviadukt zwischen der Post- und der Gotthardstrasse prangen an den Wänden in den Bögen zwölf verschiedene Textcollagen von Samuel Haettenschweiler. Sie entstanden 2006 im Rahmen der Diplomarbeit «Poetry Gallery Zug» von Haettenschweiler und beleben den hier inzwischen stark verdichteten Stadtraum. Jugendliche und junge Erwachsene erhielten durch dieses Projekt die Möglichkeit, mit ihren Gedanken, Statements oder Versen den öffentlichen Raum mit zu prägen. Die «Poetry Gallery Zug» führt keine direkten, politischen Statements aus, sondern will die alltagsbezogenen Gedanken von deutsch- und fremdsprachigen jungen Menschen widerspiegeln. Beteiligt haben sich deshalb vier politisch und künstlerisch interessierte Personen sowie vier Absolventen des Integrations- und Brückenangebots Zug (IBA). Einige der zwölf Aussagen, darunter «Elefant vor weisser Wand», «Guten Honig streicht man nicht ums Maul» oder «Bin ich privat?» mögen auf den ersten Blick verwirren oder sogar ein Kopfschütteln auslösen. Laut Haettenschweiler sind solche Reaktionen aber durchaus gewollt: «Das ist gut so. Diese Wortspiele sollen den Betrachter zum Nachdenken anregen.» Die so entstandene, sinnige Poesie irritiert und inspiriert die Passanten gleichermassen. Diese Arbeit ist typisch für Haettenschweiler, der sich in seinem Werk zentral mit Gesellschaft und Architektur befasst.

Samuel Haettenschweiler wurde 1976 in Zug geboren und lebt in Zürich. An der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern absolvierte er die Ausbildung zum visuellen Gestalter. Er arbeitete als freischaffender Grafiker und studierte später an der Zürcher Hochschule der Künste Art Education und an der Universität der Künste in Berlin Kunst im Kontext. Seit 2008 wirkt er zusammen mit anderen Kunstschaffenden im Zürcher Atelier Koch 18. 2008 erhielt er ein Atelierstipendium in Berlin und 2009 wurde er mit dem Förderbeitrag des Kantons Zug ausgezeichnet. Er schuf zwischen 2013 und 2015 mehrere temporäre Arbeiten für die städtische Freiluftausstellungen in Zug: das Werk «L'invisible» für den Kunstparcours «Lost in Tugium», wo er Bauvisiere im Zugersee verankern liess oder die Holzinstallation «Hollywood», womit er den Schriftzug aus L.A. im Kleinformat nach Zug brachte.


Samuel Haettenschweiler, Guten Honig streicht man nicht ums Maul, 2006, Wandbilder, Dispersions- und Acrylarbe, diverse Masse, am Bahnviadukt zwischen Poststrasse und Gotthardstrasse, Eigentum Stadt Zug
Samuel Haettenschweiler: Guten Honig streicht man nicht ums Maul