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Stadtverwaltung Zug
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Chnüüsockäbödäli

Termin
Frühling
Ort
Oberwil/Zug
Entstehungsdatum
Alter Brauch
Ursprung des Brauchs
«Lueg, äs hed no Schnee uf em Chnüüsockäbödäli.» Wenn in früheren Jahren die Oberwiler Schuldmädchen diesen Satz hörten, dann wussten sie: Es ist noch zu früh, um Kniesocken anzuziehen. Die mitunter ungeliebte, da kratzende Wollstrumpfhose musste also noch länger getragen werden. «Chnüüsockäbödäli» ist die Bezeichnung für die Seebodenalp oberhalb von Küssnacht am Rigi, welche von Oberwil aus besonders gut zu sehen ist. Erst wenn der letzte Rest Schnee auf ihr geschmolzen war und die Temperaturen stiegen, erlaubten die Mütter ihren meist Rock tragenden Töchtern, die Strumpfhosen gegen Kniesocken einzutauschen. In Zug waren zudem Redensarten verbreitet, welche den Stand der Kirschenreife mit dem Schnee an der Rigi definierten: «Cha me uf de Rigi d’Schneeplätz zellä, so cha me i de Bödä d’Chriesi knällä.» Was so viel bedeutet wie: Wenn an der Rigiflanke noch Schneefelder sichtbar sind, sind die Kirschen in den Niederungen noch grün und hart.
Gelebter Brauch
Schaut man sich heute auf öffentlichen Plätzen um, scheint die fürsorgliche Ermahnung der Eltern an die Kinder nicht mehr so weit verbreitet zu sein. Kaum zeigen sich im Frühling die ersten Sonnenstrahlen, wird die Sommergarderobe gelüftet und es beginnt das Flanieren in bunten Flip-Flops oder Barfuss mit nabelfreien T-Shirts und kurzen Röcken. Dass auf der Seebodenalp noch Schnee liegt, lässt offenbar viele kalt. Wer in der Folge krank hustend im Bett liegt, realisiert: Der Brauch mit dem «Chnüüsockäbödäli» hat sehr wohl seinen Sinn und Zweck. Manche Zugerinnen und Zuger halten sich darum heute noch an das ungeschriebene Gesetz und scheuen im Frühsommer den ersten Schwumm im See. Der Sommer in Zug beginnt dann, wenn die letzten Schneeresten an der Rigi verschwunden sind.
Kontakt
www.seebodenalp.ch

Textquellen: Ithen, Anna, «Volkstümliches aus dem Kanton Zug», Zürich, 1897; Koch, Hans, «Land und Leute von Zug: kulturgeschichtliche Plaudereien», Zug, 1950.

Bildquellen: Alexandra Kempf, Unterägeri; Zug Tourismus.
Bild Mädchen in Kniesocken um 1985
In früheren Jahren durften die Kinder ihre Strumpfhosen im Frühling erst dann gegen die bequemeren Kniesocken tauschen, wenn der Schnee auf der Seebodenalp restlos weggeschmolzen war, um 1985.
Bild Seepromenade
Obwohl heute kaum mehr Kniesocken getragen werden, hat sich der «Chnüüsockäbödäli»-Brauch als Spruch in abgewandelten Versionen durchgesetzt: «Was, Du hesch scho churzi Hosä na? Uf dä Seebodänalp hed's ja no Schnee!».