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Interview mit Thomas Egger, Egger & Partner in der Neuen Zuger Zeitung

20. September 2006
Der Zuger Stadtrat will die Innenstadt aufwerten. Dafür hofft er auf die Unterstützung der Einwohner. Und auf die Fähigkeiten des Österreichers Thomas Egger.
Morgen Abend startet die Stadt Zug die Aktion «Wir sind Zug» (siehe Kasten) mit dem Ziel, die Innenstadt attraktiver zu machen. Deshalb soll mit reger Beteiligung der Bevölkerung ein Ortsmarketing-Konzept erstellt werden. Die Stadt zählt dabei auf die Hilfe des Österreichers Thomas Egger. In über 80 Orten im deutschsprachigen Raum hat Egger mit seinem Unternehmen ähnliche Projekte verwirklicht. In der Region betreut er nebst Zug auch die Gemeinden Schwyz, Kriens und Emmen. Im Interview erklärt Egger, wie Zug interessanter werden kann. Thomas Egger, dass Zug eine attraktivere Innenstadt will, davon wird schon lange geredet. Viele Konzepte wurden in der Vergangenheit erstellt, doch es blieb bei der Theorie. Thomas Egger: Die vielen Konzepte sind schön und gut, denn sie zeigen die Defizite auf, welche die Stadt Zug hat. Um diese zu beheben, muss man aber praktisch und nicht theoretisch vorgehen. Das Projekt «Wir sind Zug» wurde von der Stadt initiiert und soll breit in der Bevölkerung abgestützt werden. Der Immobilienbesitzer soll da ebenso mitreden können wie der Bewohner der Stadt. Nur wenn die eigene Bevölkerung ein solches Ortskonzept mitträgt, kann es ein Erfolg werden. Wo sind denn die Defizite in der Stadt Zug? Egger: Die Zufahrten zur Stadt sind langweilig. Als ich das erste Mal mit dem Auto in die Stadt fuhr, fühlte ich mich nicht sehr willkommen. In der Innenstadt besteht das Problem schlechter Übergänge: Zwischen Metalli und Casino gibt es mehrere Plätze, welche die Stadtteile nicht logisch miteinander verbinden. Ein anderer Punkt: Ab dem Postplatz sinken die Besucherfrequenzen, weil dort nur noch wenig läuft. Sie sprechen vom Gebiet der Altstadt. Diese ist ein beliebtes Wohngebiet, und vielen Bewohnern ist es recht, wenn es da nicht allzu hektisch zu- und hergeht. Egger: Man muss auch solche Wohnqualitäten fördern. In meiner Arbeit habe ich aber genug Innenstädte gesehen, die nahe an der Verslumung waren, weil da gar nichts mehr lief. In der Zuger Altstadt muss ja nicht so viel Aktivität herrschen wie im Zürcher Niederdorf. Aber eine leichte Frequenzsteigerung wäre wünschbar. Das kann man auch mit kulturellen Anlässen erreichen. Oder mit der Einrichtung von Themenstrassen, wie sie im Mittelalter üblich waren. Warum hat gerade Zug ein Ortsmarketing nötig?
Egger: Normalerweise entstehen solche Konzepte aus einem Leidensdruck heraus. In Österreich war das typisch: Als man in den Neunzigern immer mehr Shopping-Zonen auf der grünen Wiese eröffnete, entleerten sich die Innenstädte. Aus dieser Not heraus hat man mit Ortsmarketing-Konzepten versucht, wieder neue Anreize zu schaffen. Heute gibt es zahlreiche Beispiele von Innenstädten, die wieder funktionieren. Sehr gross ist der Leidensdruck in Zug nicht. Den Menschen geht es gut, die Innenstadt ist nicht tot und die Konkurrenz zur grünen Wiese zwar da, aber nicht übermächtig. Egger: Insofern ist Zug in einer vorteilhaften Lage, weil nicht aus der Not heraus ein solches Konzept entstehen muss. Aber wir sollten auch an die Zukunft denken: Der Standortwettbewerb spielt einerseits auch mit den Zuger Nachbargemeinden, aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Darum ist es richtig, sich jetzt schon Gedanken zu machen. Vielleicht will der Zuger ja gar keine andere Stadt als die, die er heute schon hat.
Egger: Jeder Zuger ist sicher stolz, hier zu leben. Aber er sieht auch, was verbesserungswürdig wäre. Meist will er sich nicht dafür einsetzen, weil er den politischen Weg beschreiten und einer Partei beitreten müsste. Was wir nun planen, ist komplett parteiunabhängig. Bei uns geht es um die Sache und nicht um Politik, das ist unsere Stärke. Dank der breiten Beteiligung können wir gute Anreize schaffen, um das Stadtzentrum zu verbessern. Und genau da könnte ein solches Ortsmarketing scheitern: Dass zu viele Interessen mitspielen. Der Immobilienbesitzer will einfach seine Ladenfläche vermieten, was soll er sich da Gedanken über die Attraktivität in der Stadt machen?
Egger: Man kann mit einem Ortsmarketing-Konzept niemanden zwingen, immer im Sinne der Stadt zu handeln. Doch es könnte eine gute Diskussionsgrundlage sein. Wenn die Öffentlichkeit voll und ganz hinter dem Konzept steht, kann man auch den Immobilienbesitzer überzeugen, dass er seine leere Fläche besser so vermietet, dass das Angebot in der Stadt sinnvoll ergänzt werden kann. Die Gefahr solcher Aufwertungsprojekte ist, dass sie zum Papiertiger verkommen.
Egger: Genau dies wird durch die breite Abstützung verhindert. Die Organisation, die nun aufgezogen wird, muss regelmässig Rechenschaft darüber ablegen, wie weit die geplanten Projekte sind. Mit der Zeit wird so der Druck erzeugt, etwas zu tun. Dann stehen die Verantwortungsträger in der Pflicht. Wie lange wird es gehen, bis wir in Zug sichtbare Resultate sehen?
Egger: Ab dem Jahr 2007 sollten den Zugern erste Veränderungen auffallen. Die müssen noch nicht riesig sein: Es könnte sich ja auch um einen Markt handeln, der neu eingeführt wird, oder ein regelmässiger Veranstaltungskalender. Die Frage wird auch sein, in welcher Form das Ortsmarketing nach der Anfangsphase weitergeführt wird. Noch handelt es sich bei «Wir sind Zug» um eine lose zusammengesetzte Entwicklungsgruppe. Was könnte daraus entstehen?
Egger: Ich möchte das Beispiel von Visp erwähnen, eines der erfolgreichsten Projekte, die wir in der Schweiz verwirklicht haben. Die Einführung des Ortsmarketings hat dazu geführt, dass der Gewerbe- und Tourismusverein fusionierten und nun für ähnliche Interessen einstehen. Zudem hat die Stadt einen eigenen City-Manager angestellt, der sich um das Ortsmarketing kümmert. 0,5 bis 1 Prozent der Einnahmen der Stadt werden jedes Jahr ins Ortsmarketing gesteckt. Mit einem erfreulichen Resultat: Die Attraktivität der Visper Kernzone konnte in den letzten Jahren laufend gesteigert werden. Und inzwischen hat man sogar den ewigen Rivalen Brig überholt. Interview: Sven Galinelli Kastentext: Heute Abend wird Zug verschönert Der Zuger Stadtrat will, dass das Zuger Stadtzentrum attraktiver wird. Deshalb wird die Entwicklungsgruppe «Wir sind Zug» ins Leben gerufen. Heute Abend findet die öffentliche Auftaktveranstaltung statt. Sie beginnt um 19.30 Uhr im Theater Casino in Zug. Am Anlass wird die Entwicklungsgruppe näher vorgestellt, aber es werden auch bereits erste Ideen präsentiert, mit denen die Zuger Innenstadt aufgewertet werden soll. Neue Zuger Zeitung, Augabe vom 20. September 2006